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Technische Universität DarmstadtArbeitsgruppe "Stalking"
der Technischen Universität Darmstadt

Empfehlungen für von Stalking Betroffene

Jeder Stalking-Fall ist einzigartig und muss deshalb auch individuell betrachtet bzw. behandelt werden. Es gibt dennoch einige wenige Verhaltensempfehlungen, die für die meisten Fälle Gültigkeit haben.

1. Vermeiden Sie konsequent jeden weiteren Kontakt mit dem Stalker/der Stalkerin

Sagen Sie nur einmal, dass Sie keinen Kontakt wünschen und blocken dann konsequent alle weiteren Versuche ab. Formulieren Sie Ihre Aussage eindeutig und direkt. Z.B die Absage „Ich kann mit dir nicht zusammen sein, ich habe einen Freund.“ wird von der stalkenden Person häufig in dem Sinne umgedeutet, „Hätte sie keinen Freund, hätte sie Interesse an mir!“ und hat so nicht selten eine Fortsetzung des Stalking-Verhaltens zur Folge.

Bleiben Sie im Umgang mit dem Stalker immer bestimmt, aber höflich und ruhig. Aggressivität von Ihrer Seite trägt eher zu einer Eskalation bei, als dass sie beruhigt bzw. das Stalking-Verhalten beendet. Wenn Sie einmal Ihre Entscheidung des Kontaktabbruchs getroffen haben, verhandeln sie nicht darüber und reagieren nicht auf fortgesetzte Anrufe, Ansprachen, Briefe etc., auch wenn es schwer fällt. Für einen Stalker ist in der Regel jede Reaktion, auch eine wütende, ein Erfolg, da dies eine Form von Kontakt zu Ihnen herstellt. Reagieren Sie deshalb, wenn möglich, auch nicht auf exzessive Kontaktversuche. Wenn Sie nach dem 100. Telefonanruf wütend den Hörer abheben und antworten signalisiert dies dem Stalker, dass er lange durchhalten muss, dann aber doch noch zum Erfolg kommt. Dies führt oftmals zu einer Verstärkung des Stalking-Verhaltens.

2. Dokumentieren Sie das unerwünschte Verhalten des Stalkers/der Stalkerin

Die erste Reaktion von Betroffenen, wenn sie wieder einen unerwünschten Brief oder Anruf erhalten, ist oftmals diesen wegzuschmeißen bzw. zu löschen, um Abstand zu gewinnen. Dies ist nachvollziehbar, aber ein Fehler. Behalten Sie alle Zuschriften, speichern Sie - wenn möglich – aufgezeichnete Anrufe auf Ihrem Anrufbeantworter dauerhaft. Dokumentieren Sie mit Zeit- und Ortsangabe und eventuell vorhandenen Zeugen, falls der Stalker Sie persönlich versucht aufzusuchen. Diese Informationen sind zum einen bedeutend für eine eventuelle juristische Würdigung, aber auch für eine Risikoanalyse des Falls.

3. Informieren Sie Ihr Umfeld über den Stalking-Vorfall

Familie, Nachbarn und Kollegen können Sie warnen und darüber informieren, falls der Stalker versucht Kontakt mit Ihnen oder Ihrem Umfeld aufzunehmen. Auch bietet die Aufklärung eine Möglichkeit, dass der Stalker nicht hinter Ihrem Rücken und gegen Ihren Willen Informationen über Sie erfragt. Nicht zuletzt können mögliche Missverständnisse minimiert werden, wenn beispielsweise am Arbeitsplatz die Mitarbeiter und Vorgesetzten gewarnt sind, dass ungewöhnliche oder merkwürdige Kontaktversuche an Sie auftreten können.

4. Suchen Sie Unterstützung

Das typische Gefühl für Stalking-Betroffene ausgeliefert, ohne Kontrolle und alleine zu sein, lässt sich oft durch soziale Unterstützung zumindest ansatzweise mindern. Teilen Sie Personen Ihres Vertrauens Ihre Sorgen und Ängste bezüglich Ihres Stalkers mit (viele Opfer werden etwa von dem falschen Gedanken gequält, eine Mitschuld an dem Stalking zu haben), sprechen Sie darüber. Wenn es beispielsweise zu belastend ist, die Briefe des Stalkers zu lesen, bitten Sie jemanden dies für Sie zu tun und Sie zu warnen, falls dort Besorgnis erregende Inhalte zu finden sind. Weitere Möglichkeiten bestehen darin, Selbsthilfegruppen oder psychotherapeutische Unterstützung aufzusuchen, um Ihre Belastungen abzumildern.

5. Prüfen Sie im Vorfeld, ob juristische Maßnahmen für Ihre individuelle Situation sinnvoll sein können

Seit 2002 ermöglicht das sogenannte Gewaltschutzgesetz zivilrechtlich gegen Stalking-Verhalten vorzugehen. Gegen die Verletzung eines etwa dadurch verhängten Annäherungsverbotes kann anschließend polizeilich vorgegangen werden. Diese Maßnahmen haben sich bei manchen Stalkern bewährt. In anderen Fällen trug jedoch eine juristisch erwirkte Zurückweisung des Stalkers zu einer Eskalation bei bis hin zu Gewalttätigkeiten. Prüfen Sie deshalb auch aus psychologischer Sicht zunächst die möglichen Konsequenzen dieser zivilrechtlichen Maßnahme.

Forschungen aus den USA und praktische Erfahrungen haben gezeigt, dass u.a. bei folgenden Faktoren zunächst eine individuelle Evaluation des Falles durchgeführt werden sollte:

  • bei bereits vorausgegangener Gewalttätigkeit des Stalkers gegen das Opfer
  • bei häufigen früherem Kontakt mit der Polizei wegen Auffälligkeiten
  • bei ausgesprochen obsessiver Fixierung auf das Opfer
  • wenn sich der Stalker in einer Lebenssituation befindet, in der er nicht mehr viel zu verlieren hat
  • wenn antisoziale, psychopathische, narzisstische und Borderline-Persönlichkeitsszüge im klinischen Sinne vorliegen

 

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